Geschenke

Das Schenken hat mich auf meinem Lebensweg beeinflusst. Oder besser gesagt das Beschenkt-werden. So bekam ich mein erstes Notizbuch von meinem Vater geschenkt. Ich bekam ein kariertes und meine Zwillingsschwester, die sehr gut malt, eines ohne Muster. Damals konnte ich noch gar nicht richtig schreiben und habe eher darin herum gekritzelt. Aber mein Vater sagte mir, dass ich das irgendwann könne. Und bald bekam ich auch mein zweites, von meiner Mutter, mit Mohnblumen drauf, die heute meine Lieblingsblumen sind. Heute habe ich beide immer noch und kann etwas mit ihnen anfangen.
Mir ist durch Geschenke viel klar geworden. Auch darüber, was andere in mir sehen. Für viele bist du einfach ein Mädchen. Dann schenken sie dir etwas Rosanes, das eventuell etwas leuchtet und glitzert und natürlich hübsch aussieht. Wie Babies oder Puppen. Dank dieser Leute weiß ich heute, dass ich keine Babies mag. Sowie kein Rosa und auch kein Glitzer. Die Babies meiner Schwester und mir haben wir im Alter von sieben Jahren für Lego verkauft. Das Einzige was ich als Mädchen wirklich gerne hatte, waren die Schleichfiguren, nicht vom Ponyhof oder so. Nein, von eleganten Feen, geheimnisvollen Schattenelfen und dem kleinen Baby-Drachen Nugur und seiner imposanten gefährlichen Familie. Mit denen konnten wir beide etwas anfangen.
Oft schenken mir Leute Geld. Früher bin ich damit nicht besonders weise umgegangen. Ich habe mir Süßigkeiten oder Kleidung, die ich vielleicht nie wieder tragen werde, gekauft. Aber schlechte Entscheidungen bringen auch Erfahrungen mit sich, die sich im Nachhinein immer als wertvoll erwiesen haben.
Geschenke sagen viel über den Menschen dahinter, ob er bereit war, Geld für dich auszugeben, dir nur etwas schenkt, weil er muss oder ob er dich wirklich gut kennt und liebt. Ich erkenne Panikkäufe, wie ich sie selbst zu oft tätige, und lange durchdachte Geschenke, wie man sie nur selten bekommt. Genauso wie ich ein ehrliches Lächeln von einem falschen unterscheiden kann.
Oft sage ich den Leuten, was ich will, damit sich alle keinen Stress machen und noch mehr bewundere ich die, welche offen auf dich zugehen, sich neben dich setzten und fragen. Diese Leute legen ihren Stolz nieder, um dich nicht vor den Kopf zu stoßen und glücklich zu machen.

Tamina Hägler